Szenarien als Medien der Erschließung von Zukunft:
das Beispiel Energieversorgung


Das Projekt zielt darauf ab, Forschungslücken in der Szenario-Forschung zu schließen, indem problemorientierte sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung mit anwendungsorientierter, sozial- und ingenieurwissenschaftliche Fragen verbindender Forschung in Dialog gebracht wird. Damit können die Theoriegrundlagen der Zukunftsforschung und der Szenario-Entwicklung und Szenario-Anwendung gestärkt werden und darüber hinaus in dem ausgewählten wichtigen Bereich der Energieversorgung, worin sich herausragende technische, wirtschaftliche, politische und soziale Herausforderungen bündeln, innovative Impulse für die interdisziplinäre und transdisziplinäre Integration gegeben werden. Dabei ist das übergreifende Ziel, zum einen Szenario-bezogene Ansätze, Zukunft zu denken, zu planen und zu gestalten, in Bezug auf deren epistemische und soziale Robustheit zu analysieren und zu bewerten. Zum anderen ist daran anschließend herauszuarbeiten, wie Szenarien im Bereich energietechnischer, wirtschaftlicher und politischer Zukunftsstrategien im Hinblick auf größere Wissensqualität und soziale Legitimität in Form methodischer Leitlinien und Modelle entwickelt und umgesetzt werden können.

In jüngerer Vergangenheit haben Szenarien besondere Verbreitung bei den Bemühungen erfahren, im Hinblick auf bestimmte Problemlagen tragfähige Brücken zu schlagen zwischen Gegenwart und Zukunft einerseits und zwischen verschiedenen Institutionen und Akteuren andererseits. Unter die Bezeichnung Szenarien fallen vielfältige Methoden und Verfahren, die sehr unterschiedliche Ansprüche der Erkenntnisgewinnung, Entscheidungsvorbereitung und Handlungsorientierung verfolgen und dabei jeweils für einen mehr oder minder großen Adressatenkreis relevant sein sollen. Gegenüber solchen vornehmlich erkenntnis-, entscheidungs- und handlungspraktisch gelagerten Untersuchungs- und Gestaltungsinteressen wurden jedoch grundlegender ansetzende Untersuchungen in dreierlei Hinsicht vernachlässigt:

- erstens, wie Szenarien als Medien der Erschließung von Zukunft - und damit deren gesellschaftliche Funktionen und Wirkungsweisen - im Rekurs auf anspruchsvolle sozialwissenschaftliche Theorien analysiert werden können;

- zweitens, wie sich die in der spezialisierten Szenario-Forschung und ¬¬ Praxis beschriebene Leistungsfähigkeit von Szenarien im gesellschaftlichen Kontext darstellt, d.h. in Bezug auf akteursspezifisch unterschiedliche Ansprüche, Zukunft zu denken, zu planen oder zu gestalten; und

- drittens, wie auf Grundlage solcher theorieorientierten Erkenntnisse neue Szenario- bezogene Verfahren und Modelle entwickelt werden können, die interdisziplinäre und transdisziplinäre Kooperationen zwischen heterogenen Partnern praktisch anzuleiten vermögen - und in der Folge solche Kooperationen auch kritisch reflektieren und für rekursives Lernen nutzen können.

 

 

Diese Lücken gilt es zu schließen, indem Kompetenzen aus den Sozial- und den Ingenieurwissenschaften zusammengebracht werden, speziell der Zukunftsforschung in Verbindung mit der sozialwissenschaftlichen Wissenschafts- und Technikforschung einerseits und der Energietechnik und der Leistungselektronik in Verbindung mit der Energiesystem-Forschung andererseits.

Das Projekt verspricht grundlegende Beiträge mit Langzeitwirkung (1) zur theoretischen und methodologischen Fundierung der Zukunftsforschung, (2) zur methodisch angeleiteten interdisziplinären Forschungszusammenarbeit und Wissensintegration im Kontext der gesellschaftlichen Herausforderung Energiesystem-Transformation und (3) zur theoretisch reflektierten transdiziplinären Zusammenarbeit zu Energie-Szenarien mit Praxispartnern in Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft.


Antragsteller:

Univ.-Prof. Dr. rer. pol. Daniel Barben (Projektkoordination)
VDI-Professur / Lehrstuhl für Zukunftsforschung
Institut für Politische Wissenschaft (IPW)
RWTH Aachen University
Mies-van-der-Rohe-Straße 10, 52074 Aachen

Univ.-Prof. Dr. ir. Dr. h.c. Rik De Doncker
Direktor des E.ON Energy Research Center (E.ON ERC) und
des Institute for Power Generation and Storage Systems (PGS)
RWTH Aachen University
Mathieustraße 10, 52074 Aachen

Projektmitarbeiter/-innen:

Bärbel Keysselitz, M.A. (ab Juni 2013), IPW
Dennis Brinckmann, B.A., E.ON ERC
N.N.

Sabine Bausch, M.A., IPW
Nils Matzner, M.A., IPW
Dr.-Ing. Hanno Stagge, E.ON ERC
Dr. Sabine Vogel, E.ON ERC