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Forschung

Im Projekt Brain/Concept/Writing widmen wir uns insbesondere den ersten Stadien des kreativen Prozesses und untersuchen, wie Konzepte entstehen, Form annehmen und den Schaffensprozess beeinflussen. Die Frage nach kreativen Prozessen ist letztlich von einem anthropologischen Erkenntnisinteresse bestimmt.


1. Die literaturwissenschaftliche Perspektive

Seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts ist in der Literaturwissenschaft ein wachsendes Interesse für literarische Schaffensprozesse zu beobachten. Anstatt ausschließlich die Druckfassung eines Werkes zu betrachten, werden in der literaturwissenschaftlichen Forschung zunehmend Dokumente der Textgenese berücksichtigt. Unser Projekt fragt nun spezifischer nach den ersten Anfängen des Schreibprozesses; die Analyse literarischer Konzepte stellt damit ein zentrales Aufgabenfeld dar. Leitfragen sind u.a.:

  • Wie entwickelt sich ein strukturierter, linearer Text aus einer Fülle von Notizen und Ideen?
  • Welche Erkenntnisse über literarische Schaffensprozesse können wir aus der Dokumentation von Schreibanfängen gewinnen?
  • Ist es – zumindest ansatzweise – möglich, aus textgenetischen Dokumenten, wie sie in den Archiven in großer Zahl vorliegen, auf kognitive Prozesse rückzu­schließen?
  • Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Analyse literarischer Konzepte für die Editionswissenschaft?

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die Frage nach der Entstehung literarischer Texte, insbesondere im Stadium des Konzepts.


2. Die neurowissenschaftliche Perspektive

Während die Literaturwissenschaft die fassbaren Ergebnisse kreativen Schaffens untersucht, konzentriert sich die Neurowissenschaft auf die zugrundeliegenden mentalen Prozesse und neuronalen Aktivitäten. Unsere Untersuchungen orientieren sich an folgenden Leitfragen:

  • Bis zu welchem Grad ist verbale Kreativität, die Fähigkeit neues und originelles verbales Material zu erdenken, konkret und inwiefern überschneidet sie sich mit abstrakter symbolischer Kreativität?
  • Wie gut lässt sich verbale Kreativität erlernen?
  • Welche Teile des Gehirns sind dafür verantwortlich und wie sind diese untereinander verknüpft?
  • Welche kognitiven Prozesse sind beteiligt?

Um diese und weiterführende Fragen zu beantworten, nutzen wir die Möglichkeiten der Magnetresonanztomographie (MRT). Im Rahmen von sorgfältig entwickelten Studien und mithilfe von motivierten Probandinnen und Probanden sammeln wir Daten, deren Interpretation Aufschluß geben soll über die Zusammenhänge zwischen neuronalen Aktivitäten und kreativen Prozessen.

 

3. Die Perspektive der Informatik

Im Bereich der Informatik entwickeln wir ein System, das die konventionelle philologische Arbeitsweise mit Büchern und Papier durch intuitiv nutzbare Technik unterstützt. Neuartige intuitive Eingabegeräte, berührungssensitive Oberflächen sowie intelligente Stifte sollen die Arbeit erleichtern, ohne die gewohnten Arbeitsabläufe zu stören. Unser Fokus liegt hier auf der Entwicklung eines interaktiven Multitouch-Tisches, der die 'traditionelle' Arbeitsweise unterstützt und gleichzeitig ihre Möglichkeiten durch digitale Innovationen intelligent erweitert.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Erforschung und Entwicklung einer digitalen interaktiven Oberfläche, ähnlich einem Tablet-PC, zur Unterstützung unserer neurowissenschaftlichen Studien im MRT-Scanner. Die spezifische Umgebung des Scanners lässt den Einsatz herkömmlicher interaktiver Geräte nicht zu, weshalb wir zusammen mit der Abteilung für medizinische Bildverarbeitung (IZKF) des Klinikums Aachen an einer alternativen Lösung ohne Metallteile und elektrische Schaltkreise arbeiten.