LLI Reallabor Rallye // ENHANCERIA Walk & Talk

  Mitglieder der ENHANCE Alliance und des Living Labs Incubators am ersten Tag des Walk & Talk Meetings im Käte Hamburger Kolleg „Cultures of Research“ Urheberrecht: © ENHANCERIA Partners

21. und 22. September 2023

 

Der Living Labs Incubator vernetzt, beforscht und unterstützt transdisziplinäre Projekte und Einrichtungen rund um die RWTH Aachen. In Anbindung an die ENHANCE Alliance hat am 21.-22. September 2023 ein zweitägiges Walk & Talk Meeting im Rahmen der Arbeit zu nachhaltiger Entwicklung durch transdisziplinäre Forschung des ENHANCERIA-Projekts (WP3) stattgefunden.

Als Zusammenschluss von sieben Europäischen Technischen Universitäten, mit dem Ziel die Entwicklung von Wissenschaft und Technologie zum Nutzen der Gesellschaft zu fördern, ist die ENHANCE Alliance Teil des EU-Förderprogramms Erasmus+. Das ebenfalls von der EU finanzierte Horizon 2020-Projekt ENHANCERIA unterstützt die Forschungs- und Innovationsdimension von ENHANCE und konzentriert sich dabei auf die Rolle der Universitäten als Triebkräfte für eine nachhaltige Entwicklung. Das Projekt bringt Forschende und Bürger:innen zusammen, die über Grenzen und Disziplinen hinweg zusammenarbeiten, um gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen und zur Modernisierung der Universitäten und des Europäischen Forschungsraums (EFR) beizutragen. Darüber hinaus fokussiert es sich auf Unternehmertum, Innovationsökosysteme, die Entwicklung von Humanressourcen und Forschungsinfrastrukturen.

Der erste Veranstaltungstag bot einen Einstieg in den inhaltlichen Austausch zur Stärkung von interdisziplinärer Forschung durch institutionelle Strukturen an der RWTH Aachen im Rahmen einer Vortragsreihe am Käte Hamburger Kolleg „Cultures of Research“ . Teilnehmende diskutierten über das Human Technology Center (ein fakultätsübergreifendes Zentrum zur Integration und Förderung interdisziplinärer Projekte, die sich mit gesellschaftlichen Problemen befassen) und den Living Labs Incubator - zwei Initiativen, die Teil der Exzellenzstrategie der RWTH Aachen sind, die auf integrierte Interdisziplinarität setzt. Unterstützt wird die Exzellenzstrategie der RWTH Aachen außerdem durch institutionelle Strukturen für transdisziplinäre Forschung wie die ebenfalls durch Dr. Mareike Neumann vorgestellte RWTH Campus GmbH und das durch Dr. Marco Schmitt erläuterte BIOTEXFUTURE TransitionLab .

Der zweite Tag ermöglichte praxisnahe Einblicke in die Reallaborlandschaft um die RWTH in Form einer durch den Living Labs Incubator organisierten „Reallabor Rallye“. So erfuhren Teilnehmende mehr über die zunehmend bedeutende Rolle, die Reallabore an Technischen Hochschulen einnehmen. Als Orte der Kollaboration von Wissenschaft, Politik, Unternehmen und Gesellschaft adressieren Reallabore Herausforderungen und Chancen im Bereich neuer Technologien, sozialer Innovationen und nachhaltiger Entwicklung.

Besucht wurden fünf Reallabore, darunter das erste FabLab Deutschlands, über dessen Einrichtung und Nutzung durch Studierende sämtlicher Fachrichtungen, aber auch durch Bürger:innen, Prof. Jan Borchers vom Lehrstuhl für Medieninformatik und Mensch-Computer-Interaktion umfassend berichtete. Das zuvor besichtigte ITA Innovation and Learning Center zur Digitalisierung von Produktionsprozessen in der Textilindustrie legt seinen Fokus auf die Weiterentwicklung der maschinellen Prozesse und die Ausbildung und Weiterbildung an und mit Maschinen. Die Rallye führte Teilnehmende auch zur Referenzbaustelle , welche mit einer Fläche von rund 4.000 Quadratmetern Teil des Center Construction Robotics (CCR) ist und sich im Herzen des 5G Industry Campus Europe auf dem Campus Melaten der RWTH Aachen University befindet. Bei allen besuchten Reallaboren konnten die Teilnehmenden mehrere Demonstratoren in Aktion beobachten und so einen Blick auf zukünftige Arbeits- und Alltagswelten erahnen.

Am Nachmittag besuchten die Teilnehmenden transdisziplinäre Initiativen, die sich mit Stadtplanung und Stadtentwicklung beschäftigen: das Altstadtquartier Büchel und das Reallabor Theaterplatz . Die Vorträge boten aufschlussreiche Einblicke in die Prozesse, Hürden aber auch Wirkungspotenziale von Reallaboren im Kontext partizipativer Stadtentwicklung. So verwies Dr. Daniela Karow-Kluge vom Citymanagement der Stadt Aachen auf die verschiedenen Aktionen im Reallabor Theaterplatz, als Erprobungsraum für dessen langfristige Umgestaltung. Ziel war es, einen offenen Prozess und eine dialogreiche Auseinandersetzung über mögliche Zukünfte des Theaterplatzes mit den Bürger*innen vor Ort anzustoßen. Es sollten neue Perspektiven getestet sowie ein gemeinsamer Erfahrungs- und Lernraum geschaffen werden.Hierzu gehörten die Performance einer Tanzgruppe, das Anlegen von Sitzbänken und Pflanztrögen sowie eine vorübergehende Sperrung des Theaterlatzes für den privaten Autoverkehr. René Kistermann, von der Städtischen Entwicklungsgesellschaft Aachen (SEGA), erläuterte die vielschrittige und -schichtige Arbeit um die partizipative Neugestaltung des Altstadtquartiers am Büchel und stellte die Zwischenzeit am Büchel als offene Initiative vor, die Initiativen, Stadtmachende, Künstler:innen und Kreative dazu einlädt, selbst aktiv zu werden. Christina Jimenez Mattsson vom RWTH Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung hat die Erfahrungen und Ergebnisse des Projekts ACademie für kollaborative Stadtentwicklung vorgestellt. Sie betonte die Bedeutung neuer Akteursallianzen, um innerstädtische Raumreserven sowohl im privaten, als auch im öffentlichen Bereich experimentell durch neue Nutzung zu aktivieren.

Um die Vernetzung zwischen Reallaborinteressierten von technischen Universitäten aus ganz Europa zu stärken, nahmen neben Angehörigen des LLI-Netzwerks auch Mitglieder der Norges teknisk-naturvitenskapelige universitet NTNU (Norwegen), der Chalmers Tekniska Hogskola AB (Schweden), der Technischen Universität Berlin, der Universitat politecnica de València (Spanien) und der Politechnika Warszawska (Polen) an der Veranstaltung teil. Teilnehmende nutzten die Gelegenheit des persönlichen Kennenlernens und des direkten Austauschs auch, um zukünftige Kooperationen und Projektaktivitäten zu planen, die zu einer engeren Vernetzung im ENHANCE-Bündnis führen sollen.

 

ENHANCERIA Reallabor Rallye